Olivia spioniert

Olivia spioniert, der neueste Band der Olivia-Reihe, war gleichzeitig mein Einsteigerbuch. Da ich noch keine Geschichte des kleinen Schweins gelesen hatte, war ich gespannt und erwartungsvoll. Schließlich sollte es sich hier um eine tierische weibliche Hauptfigur handeln, die selbstbewusst die Welt erobert.

Die Illustrationen sind originell und detailliert, lassen aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass Olivia und ihre Eltern dem konservativen Bildungsbürgertum angehören: da sieht man die Mutter im chanelkostümartigen Fummel in der Küche stehen und mit der Tante telefonieren oder den Vater sich am Tisch hinter der Zeitung, vermutlich die Welt, verstecken, um im Verlauf der Handlung nie wieder aufzutauchen.

Olivia spioniert I

Olivias Mutter scheint eigentlich alleinerziehend und Hausfrau zu sein, muss sie sich doch zuhause um alles kümmern und ist deswegen total fertig. Als sie sich am Telefon über Olivias Verhalten beschwert, hört diese ungesehen mit und rätselt, was die Mutter wohl damit meint, wenn sie sagt: „Ich wünschte, ich könnte sie irgendwohin schicken, bis sie etwas Vernunft angenommen hat.“

Ab hier wird die Geschichte in meinen Augen tendenziell grausam, da Olivia nun versucht zu verstehen, was ihre Mutter meinte und was mit ihr nun geschehen wird. Als sich die Eltern später darüber unterhalten, ob die Mutter mit Olivia ins Ballett gehen soll (ihre Bedenken: das Kind könne sich dort danebenbenehmen), entscheidet der Herr Vater: „Das ist genau der richtige Ort für sie! Schließlich handelt es sich dabei um eine Institution!“

Doch Olivia weiß aus der Schule: Ein Gefängnis ist eine Institution!

Olivia spioniert I

In Erwartung ihres Gefängnisaufenthalts schaut Olivia während der Fahrt (zum Theater!) nur still aus dem Fenster. „Sie verabschiedete sich gerade von der Stadt, die sie so sehr liebte.“

Am Ziel wird schnell klar, dass Olivia doch nicht ins Gefängnis muss und die Mutter versteht, dass Olivia „gelauscht“ hat. Allerdings gibt es an dieser Stelle keine Umarmung von Mama – im Gegenteil: als die beiden wieder zuhause sind, sitzt die Mutter bei Olivia auf dem Bett.

  • „Na, Olivia, was hast du durch das Lauschen herausgefunden?“
  • „Teilwahrheiten und Fehlinformationen – „
  • „Und wie hast du dich dabei gefühlt?“
  • „Unsicher und misstrauisch – „

Wer jetzt erwartet, dass Schweinemama so etwas sagt wie „Komm nächstes Mal zu mir und frag mich, wenn du etwas nicht verstehst“, der liegt leider falsch. Stattdessen entschuldigt sich Olivia für ihre „Spionage“ und verspricht, als Entschuldigung zu kochen, was die Mutter ablehnt.

Fazit: Ein aufgewecktes Schwein allein macht leider noch keine gute Geschichte. Es ist der Umgang und der Ton in „Olivia spioniert“, den ich als lieblos empfinde und als Drill, um aus einem aufgeweckten Kinderschwein schnell ein dressiertes Vorzeigeschwein zu machen.

 

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