Da ist was faul an der Riesenbirne

Seit wir Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne zu Hause haben, muss sie regelmäßig gelesen werden. Eigentlich ist es auch eine wirklich witzige und originelle Geschichte, die teils sehr schön und niedlich illustriert wurde (ausgenommen die Menschen, die sind doch etwas zu grotesk geraten).

Trotzdem ist es doch offensichtlich (zumindest für Vorleserinnen), dass nicht eine Figur in der gesamten Geschichte weiblich ist: Und das bei einem Aufgebot von insgesamt neun handelnden Charakteren, wobei ich hier die schrecklichen Piraten, ebenfalls insgesamt neun, nur als einen Piratencharakter zähle.

Riesenbirne

Wir denken: Das grenzt schon an eine bewusste Aussortierung weiblicher Charaktere. Oder handelt es sich bei Glückshafen, der Stadt, in der die Geschichte ihren Anfang nimmt, um eine männerbündische Kommune?

Wer die Geschichte noch nicht kennt: Mika, der kleine Kater, und sein Freund Sebastian, der kleine Elefant, wohnen zusammen in einem Häuschen in Glückshafen. Alle Bewohner könnten zufrieden und glücklich sein, wäre da nicht der böse Vizebürgermeister, der versucht, den Menschen das Leben schwer zu machen.

Eines Tages finden Mika und Sebastian beim Angeln eine Flaschenpost und das Abenteuer beginnt: Mithilfe einer Riesenbirne durchqueren die beiden das Meer und treffen auf einen mechanischen Seedrachen, hungrige Piraten und das nachtschwarze Meer. Trotz aller Gefahren bringt die Riesenbirne sie zu ihrem Ziel: der sagenumwobenen geheimnisvollen Insel.

Kinder lieben diese wilde Abenteuergeschichte, aber denkt man sich einmal in ein kleines Mädchen hinein, wird sie sich zwangsläufig mit den männlichen Figuren identifizieren (müssen) – denn an sie wurde hier nicht gedacht.

Diese Unsichtbarkeit des Weiblichen wird ihr noch sehr häufig begegnen, auch und besonders im Kinderbuch: Der Guardian hat hierzu im vergangenen Jahr die hundert beliebtesten Kinderbücher vom Marktforschungsinstitut Nielsen analysieren lassen und fand heraus: die Hauptfigur war 50 % wahrscheinlicher männlich statt weiblich; nur 40% der Charaktere mit eindeutig zugeordnetem Geschlecht waren menschlich – bei den anderen handelte es sich um Dinge beziehungsweise Objekte, wie zum Beispiel Stifte, Bäume oder ähnliches, eine weitere Kategorie waren Tiere: in dieser Kategorie (Objekte/Tiere) war die geschlechtsspezifische Verzerrung besonders stark: Wurde das Geschlecht des Dings oder der Kreatur angegeben, war es 73% wahrscheinlicher männlich als weiblich.

Was können wir alle dazu beitragen, dass weibliche Figuren im Kinderbuch stärker repräsentiert werden? Auf jeden Fall nicht locker lassen, das Thema Geschlechtergerechtigkeit und Feminismus immer wieder auf den Tisch bringen, im eigenen Handeln mit Rollenklischees brechen und vielleicht selbst Geschichten erfinden, in denen Jungen und Mädchen nicht nur 50% der Möglichkeiten offenstehen, sondern alle.

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