Klein

Klein heißt das kleine Wusel schlicht, die Hauptfigur aus Stina Wirséns gleichnamigem Buch. Die Leser*innen erfahren, dass Kleins Eltern Groß und Stark heißen, und dass Klein es gern mag, wenn zu Hause alle gut miteinander umgehen – „wenn zu Hause alles schön ist und kein Streit.“ Und hier beginnt die Geschichte, das, worum es bei Klein wirklich geht, denn: Klein weiß, wie gut es ist, wenn zu Hause alles friedlich ist – denn zu oft erlebt Klein das Gegenteil.

Stina Wirsén : Klein

Als eines Tages nach dem Abholen aus der Kita der Streit zwischen Groß und Stark wieder besonders schlimm wird, klingelt Klein bei Jemand, dem Nachbarn, um sich zu „retten“.

Jemand fragt, ob Klein traurig sei. Aber Klein kann sich nicht gleich anvertrauen und verneint, obwohl Klein natürlich doch traurig ist – „im ganzen Bauch traurig und im Kopf und in den Armen auch“.

Als es Abend wird, muss Klein wieder zurück nach Hause gehen, wo Klein sich heute selbst ins Bett bringen muss, weil die Großen zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.

Zum Glück gibt es im Kindergarten Frau Traulich (die einzige Figur der Geschichte, die geschlechtlich eindeutig zugeordnet wird und einen Namen trägt). Klein und Frau Traulich schauen sich am nächsten Tag bloß an und da erzählt Klein ihr alles: „Dass Klein zu Hause Angst hat. Frau Traulich darf das alles wissen.“

Stina Wirsén : Klein

Ich finde es wichtig, es hier klar auszusprechen, dass Klein nichts für sich behalten muss, denn hier können Kinder, denen das Buch beispielsweise im Kindergarten vorgelesen wird, selbst zu Wort kommen. Es ist die Bei-mir-ist-das-auch-so-Stelle.

Frau Traulich ist die Rettung für Klein: Sie hört zu und kümmert sich direkt. Im nächsten Bild sieht man, wie Frau Traulich am Telefon spricht, während Klein auf ihrem Schoß schläft. Und es wird noch einmal ausdrücklich die wichtige Nachricht wiederholt: „Klein hat seiner Frau Traulich alles erzählt. Und Frau Traulich hat Klein geholfen.“ Es gibt also nicht nur Große, die streiten und Klein dadurch ängstigen, sondern auch viele Große, die sich um Klein kümmern und helfen.

Dieses Buch mit seinen doch sehr detailgenauen Illustrationen der Streit-Szenen (die giftigen Streit-Wörter schießen wie schwarze Pfeile aus groß und Starks Mund) kann eine Vorlese-Herausforderung für Große sein und fast möchte man Kindern das Buch ersparen. Dabei wird es dringend gebraucht, eben weil Streit und Gewalt einigen Kindern nicht fremd sind. Und die, die davon nicht direkt betroffen sind, können mit dem Thema (eventuell mit Hilfe der Vorlesenden) umgehen, da es sie nicht konkret betrifft.

Auch die vielen positiven Formulierungen machen das schwere Thema etwas leichter: „Jetzt gibt es noch mehr, die wissen, dass Klein viele fröhliche Tage ohne Streit braucht“ und das schöne und tröstende Fazit: „Wenn man alles erzählt, dann gibt es Große, die einem helfen.“

Stina Wirsén : Klein

Denn: Man kann Kindern sehr gut auch ein schwieriges Thema zumuten, solange es auf eine Auflösung, ein gutes Ende hinausläuft.  Deswegen gehört Klein nicht nur zu Hause in die Bücherkiste, sondern besonders in Kitas, denn dort werden diejenigen erreicht, für die das Buch gemacht wurde.

 

 

 

Klein

Stina Wirsén

Übersetzt von Susanne Dahmann

Klett Kinderbuch

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